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Im Golfsport geht eine Ära zu Ende
Keiner prägte den Golfsport in Deutschland so wie Wolfgang Scheuer. Nach 16 Jahren an der Spitze des Golfverbands tritt er nächste Woche ab
Er war 16 Jahre im Amt - und damit genauso lange wie Helmut Kohl. Wolfgang Scheuer hat im Golfsport so viel bewegt wie Kanzler Kohl bei der deutschen Einheit. Kommende Woche wird er sein Amt als Präsident des Deutschen Golfverbands DGV niederlegen.
Fünf Legislaturperioden lang prägte der Münchner Wirtschaftsanwalt den Golfsport in Deutschland entscheidend mit. Wenn es nach dem inzwischen 74-Jährigen geht, steht sein Nachfolger, der beim Verbandstag des DGV in Frankfurt gewählt wird, schon fest: Der 53-jährige Württemberger, Wahl-Dresdner, Anwaltskollege und derzeit DGV-Vizepräsident Hans Joachim Nothelfer, der nach der Wende den Landesverband Sachsen-Thüringen führte.
Der Schwabe aus Sachsen wird es, so er denn gewählt wird, nicht leicht haben. Scheuer hat die Latte hochgelegt, kann mit einer Vielzahl an Rekorden während seiner Amtszeit aufwarten. Die Zahl der offiziell registrierten Golfer in Deutschland etwa stieg unter Scheuers Führung von 225 000 auf rund 600 000, die Sportart, die weltweit etwa 60 Millionen Menschen betreiben, wurde wieder olympisch - und Deutschland bewirbt sich um die Austragung des Ryder Cups 2018.
Den Traum vom Ryder Cup in Deutschland wird Scheuer wegen der starken Mitbewerber möglicherweise zwar vergeblich träumen. Doch eine Aufgabe gibt er dem Golfsport mit auf den Weg: Dass Golf zu einer Marke wird, die Moral und Ethik in sich vereint.
Ein Anspruch, der sich durch Scheuers Leben zieht wie ein Credo. Nicht zufällig bezeichnet er die Jahre im Amateurstatus-Committee im schottischen St. Andrews "als die schönste Zeit in meiner Laufbahn als Funktionär". Das Warum schiebt Scheuer gleich nach: "Zu erleben, woher und vor allem warum es zu den Golfregeln kam, all die Diskussionen um die moralischen Werte, diese Tradition - da haben die Schotten und Engländer eine mehr als 200 Jahre alte Geschichte und sind damit viel weiter als wir Deutschen." Egal ob es die "Integrity of the Game", also die Integrität des Spiels, oder auch der von ihm viel zitierte Spruch vom "Spirit of the Game" ist.
Der "Geist des Spiels" hat gelitten. Zum Leidwesen Scheuers. Nicht zuletzt deshalb hat der DGV unter anderem ein eigenes Platzreifemodell entwickelt. "Wir sagen den Klubs, die ja zuständig sind für ihre Plätze, auch, dass sie nicht nur auf das Geld schauen sollen."
Apropos Geld: Torpediert die Münchner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 nicht Deutschlands Chancen auf den Ryder Cup im selben Jahr? Gibt es nicht eine Regel des Ryder-Cup-Komitees, die besagt, dass im selben Land mindestens sechs Monate Pause bis zum nächsten Großereignis sein muss? Scheuer zerstreut die Bedenken: "Wir haben mit den Londonern auch darüber gesprochen. Winterspiele fallen nicht darunter, Olympia im Sommer wäre das wegen der Sponsoren etwas anderes gewesen."
Auch um den Altersdurchschnitt der Golfer, der angeblich bei knapp 50 Jahren liegt, zu senken, ließen Scheuer und der DGV sich so manches einfallen: "Ich sage immer, wir brauchen einen neuen Helden, jemanden wie Bernhard Langer, um Golf einer breiten Bevölkerungsschicht näher zu bringen." Um dabei nachzuhelfen, entwickelte der DGV unter Scheuers Führung zum Beispiel die Initiative "Abschlag Schule", durch die Golf Eingang fand in das Programm von "Jugend trainiert für Olympia". Das Modell ist ein Erfolg: "Rund 30 Prozent der jugendlichen Golfer kommen heute durch Abschlag Schule zu unserem Sport, rund zehn Prozent von ihnen werden später zahlende Klubmitglieder", sagt Scheuer, für den sich sein Job als Verbandschef im Lauf der Jahre fast zur Vollzeitbeschäftigung auswuchs.
Doch die Entwicklung des Golfsports bleibt nicht stehen. So soll in Gesprächen mit dem Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, unter anderem geklärt werden, ob in Rohrenfeld/Neuburg ein DGV-Leistungszentrum entstehen kann. Auch noch ungeklärt ist, was in Deutschland unter den Begriff olympische Förderung fällt. Ob die existierenden Olympia- auch Golf-Stützpunkte werden. Und wie Amateur-Golfer bei Bundeswehr oder Bundespolizei gefördert werden können - alles eine Angelegenheit des DOSB und des zukünftigen DGV-Präsidenten. Scheuer genoss seinen baldigen Ruhestand schon mal vorab und flog zum Kurzurlaub in die Türkei. Zum Golftraining natürlich: "Das kurze Spiel muss besser werden", sagt er zum Abschied.
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